Samstag, 8. März 2014

Rezension: Jugendbuch

Ich bin Tess (von Lottie Moggach)





Seit dem Tod ihrer Mutter lebt Leila sehr zurückgezogen und stößt eines Tages auf die Philosophieseite Redpill. Bereits nach kurzer Zeit verbringt sie immer mehr Zeit auf dieser Seite und wird nach einiger Zeit auch eine Elite-Denkerin dieser Seite. Eines Tages bekommt sie eine Nachricht von Adrian, der Redpill ins Leben gerufen hat. Er will sich mit ihr persönlich treffen und fragt sie bei diesem Treffen, ob sie bereit wäre einen Auftrag für ihn auszuführen. Sie soll einer Frau, die schon seit langem aus dem Leben scheiden will, aber ihrer Familie keinen Kummer bereiten will, dies ermöglichen, indem sie deren virtuelles Leben im Netz übernimmt. Von Philosophischen Gründen getrieben lässt sich Leila darauf ein und wird online zu Tess. Doch die Ausführung dieses Plans klappt nicht so wie geplant, da Connor, einer von Tess` Exfreunden, versucht Kontakt mit Tess aufzunehmen. Schon bald befindet sich Leila in einem Durcheinander aus Tess Gefühlen und Gedanken und ihren eigenen ... 


Man kann einen One-Night-Stand mit einem Typen haben und ihn nie vergessen und andererseits, was weiß ich, sechs Monate mit jemandem zusammen sein, ohne dass er auch nur eine Spur hinterlässt. In dem Augenblick, in dem es vorbei ist, hat man das Ganze auch schon vergessen.
aus Ich bin Tess (von Lottie Moggach) Seite 171 


Zwei interessante Fragestellungen

Die Autorin wirft in diesem Buch gleich zwei Fragestellungen auf. Einerseits beschäftigt sie sich mit der Frage, ob man jemandem, der sich den Tod wünscht, diesen ermöglichen sollte. Andererseits spricht das Buch auch die Gefahren des Internets an, vor allem den Punkt, dass man sich als jede beliebige Person ausgeben kann. Die Einbindung dieser Fragestellungen in die Geschichte ist gelungen und man fängt wirklich an sich über diese Themen Gedanken zu machen.

Anregung zur Reflektion

Vor allem die Fragestellung, ob man jemandem den Tod ermöglichen sollte, wird von verschiedenen Seiten beleuchtet. Da Tess sich ja nach dem Tod sehnt und Leila es deshalb auch als richtig ansieht, ihr dabei zu helfen. Andererseits wird Tess durch ihren Tod ihrer Familie viel Kummer bereiten und zudem hätte sie natürlich auch gesellschaftliche Pflichten, denen sie nachkommen sollte. Außerdem, was ist wenn sie sich nur vorübergehend den Tod wünscht und sich schon bald wieder am Leben erfreuen würde? - All diese Punkte werden angesprochen und der Leser wird dadurch zum eigenständigen Reflektieren dieser Thematik angeregt.

Leila: Speziell aber sympathisch

Viele von Leilas Gedanken konnte ich nachvollziehen und ich vertrete teilweise sogar die gleiche Meinung wie sie. Zum Beispiel wenn sie all diese unnötigen auf Facebook geposteten Fotos anspricht. Bei anderen Dingen konnte ich ihre Meinung jedoch nicht teilen. Alles in allem wirkt Leila richtig kühl und nüchtern. Manchmal denkt man sogar, dass sie überhaupt nichts zu empfinden scheint. Jedoch scheint sie gegen Ende des Buches langsam aufzutauen, wenn auch nur ein bisschen. 
Leila ist ein sehr spezieller Charakter, wie ich ihn noch in keinem Buch gefunden habe. Aber trotz ihrer Eigenheiten wurde sie mir im Laufe des Buches immer sympathischer und ich konnte ihr Handeln wirklich nachvollziehen. Sie macht im Laufe dieses Buches auch eine enorme Entwicklung durch: Von dem sozial ausgeschlossenem, zurückgezogenem Mädchen zu einem Mädchen, das nicht mehr ganz so kontaktscheu ist und vielleicht auf dem Weg in eine gute Zukunft ist.

Nicht besonders spannend, aber faszinierende Story

Es ist nicht so, dass das Buch mit überraschenden Wendungen oder vielen Cliffhangern punktet, sondern die Story an sich hat mich einfach so fasziniert, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte. Diese kleinen Komplikationen, die Leila bei ihrem Plan Tess Leben zu übernehmen über den Weg laufen, faszinieren und man will einfach wissen wie Leila reagieren wird. Dennoch hätte es schon etwas mehr Spannung geben können, die mich noch tiefer in diesem Buch hätte versinken lassen. Es hätte nämlich so einige Stellen gegeben, die die Autorin noch etwas nervenaufreibender gestalten könnte. 
Dennoch konnte die Autorin mich einfach durch die gesamte Idee für sich gewinnen. Es war einfach packend und zugleich erschreckend zu sehen, wie Leila immer tiefer in Tess Leben eintaucht und dieses übernimmt.  

Einfach gehaltener Schreibstil

Die gesamte Geschichte wird abwechselnd in der Gegenwart und andererseits durch Leilas Bericht erzählt. In diesem Bericht erzählt sie sachlich neutral das Geschehen bevor und während sie Tess Leben übernommen hat. Der Schreibstil ist recht einfach gehalten und lässt sich deshalb locker leicht lesen. Man kommt schnell mit dem Lesen voran und stolpert über keine Stellen.

Offenes Ende, das viele Fragen offen lässt

Das Ende dieses Buches bleibt relativ offen und ist übersät von Fragen und Zweifeln. Teils ist dieses Ende wirklich gut gewählt, andererseits bin ich ja kein besonderer Fan von allzu offenen Enden und hätte deshalb gerne noch etwas mehr erfahren. Deshalb lasse ich dieses Buch nun mit einigen offenen Fragen hinter mir, aber ich denke, dass ich das verkraften kann (obwohl es mich schon etwas wurmt, nicht genau zu wissen, wie es nun mit Tess ausgegangen ist ...).




Das Buch hat mich nicht umgehauen, aber dennoch in seinen Bann gezogen. Die Idee dieses Buches ist wirklich interessant und auch die beiden Fragestellungen, die darin angesprochen werden, sind gut in die Geschichte eingebunden. Leila ist ein sehr spezieller aber sympathischer Charakter. Die Story war nicht besonders spannend, die Idee und Umsetzung konnte mich aber dennoch faszinieren und somit in ihren Bann ziehen. Das Ende bleibt offen, was mich persönlich schon etwas gestört hat. Deswegen bekommt das Buch sehr gute 4 Blue Wings von mir.






Kommentare :

  1. Huhu,

    ich muss zugeben, dass ich zwischendurch irgendwie Mitleid mit Leila hatte, an anderen Stellen wiederum habe ich gedacht: Mensch Mädchen, wie blöd bist du eigentlich? ^^. Das offene Ende hat mir sehr gut gefallen! =)

    LG
    Anja

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  2. Hey (:
    Tolle Rezension!
    Das offene Ende hat mich auch ein wenig gestört, obwohl es irgendwie zum Buch passte. Leila tat mir sehr leid, irgendwie hat mich das traurig gemacht das es einem Mädchen - dem es eigentlich gut geht - so schlecht gehen kann.

    Viele Liebe Grüße,
    Jasi ♥

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  3. @Druckbuchstaben:
    Hey ;)
    Da ging es mir genauso, vor allem als sie sich so total in Connor vernarrt hat, hätte ich sie oftmals am liebsten angeschrien, wie naiv sie doch eigentlich ist!! Aber da sie zuvor so kontaktscheu war, hat sie wahrscheinlich einfach eine seeeehr schlechte Menschenkenntnis ;)

    LG
    Haveny

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  4. @Jasi Ich:
    Hey ;)
    Dankeschön :D
    Leila hat mir ebenfalls leid getan ... Manchmal hätte ich am liebsten irgendwas getan, um ihr zu helfen. Ich finde es ja schon schlimm genug, dass sie ihre Mutter bereits so früh verloren hat >_<

    LG
    Haveny

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